gruen für 3 - Bi Scholver Feld

Zeitungartikel 7. Juni 2007 - Für Industrieromantiker

Auf nachfolgenden Artikel möchten wir insbesondere hinweisen. Er beschreibt nochmals eindeutig die "Wichtigkeit" des Naherholungsgebietes Scholver Feld.

Nebenbei bermerkt: Die Stadt wirbt mit einer Freizeitkarte Gelsenkirchen (Auf-GE-macht), entzieht aber den Nutzern wahrscheinlich (bei Ratszustimmung) den Naherholungswert durch die Flächennutzungsplanänderung....

Das unten gezeigte Foto zeigt die Fläche, welche bei einer Norderweiterung durch die BP komplett wegfällt!

 

Für Industrieromantiker

von Lars Oliver Christoph

 


ein Bild

Eine Tour der Kontraste: Der Wanderweg im Norden versöhnt Natur mit Industrie (hier: BP und Kraftwerk) - oder auch nicht. Fotos: WAZ, Martin Möller

Die nördlichste Route der Freizeitkarte "Auf-GE-macht" führt durch Scholven und Hassel - mitten durch idyllische Landschaften und vorbei an brummenden Kraftwerken

 

Eine Wanderung am malerischen Haus Lüttinghof zu beginnen - das kann sowohl Fluch als auch Segen sein. Ein Segen, weil es als Startpunkt wohl kaum ein idyllischeres Fleckchen in Gelsenkirchen gibt. Ein Fluch, weil der innere Schweinehund einem ständig einflüstert, die Wanderkarte Wanderkarte sein zu lassen und lieber die Schönheit des Lüttinghof-Biergartens bei einem kühlen Pils zu genießen.

Der Schweinehund unterliegt, der WAZ-Wanderer startet zur Rundtour durch Scholven und Hassel, in der Freizeitkarte "Auf-GE-macht" mit dem Etikett W 3 versehen. Schon nach wenigen Metern, kurz hinter der A 52-Brücke, wird deutlich, dass diese 11,9-km-Tour eine Tour der Kontraste ist. Am Horizont eröffnet sich hinter Wiesen und Äckern ein imposantes Panorama mit den Fixpunkten BP, Halde und Kraftwerk. Durch Feld und Flur, aber auf asphaltiertem Untergrund führt die Route - vorbei an BP-Baustelle, kleiner Kapelle und Bauernhöfen. Der innere Schweinehund bleibt nicht die einzige tierische Begegnung: Ein Häs-chen hoppelt ins Dickicht, Frauchen & Herrchen gehen mit ihren Hunden Gassi (oder umgekehrt), gefühlte 37 Pferdeweiden säumen den Weg.

Schattig wird´s auf der Feldhauser Straße, die in diesem Bereich Feldhauser Allee heißen müsste. Zum Soundtrack eines Brummens und Zischens passiert der Wanderer Kraft- und Gipswerk sowie kleine Mülllandschaften am Rande.

Von der Rückkehr in die Zivilisation zeugt an einer alten Betonbrücke ein Schild, das Scholvener Gottesdienstzeiten anzeigt. Gott sei Dank steht am Ortseingang keine Kirche, sondern ein Kiosk. Ein stilles Wasser für 95 Cent, und weiter geht´s auf der Feldhauser Straße - vorbei an Eisdiele, Drogeriemarkt, Fahrschule, Kiosk, Frisör, Diddl- und Playmobil-Paradies, Sonnenstudio, Drogeriemarkt, Fahrschule, Kiosk . . . und abrissreifen Häusern linker Hand. Bonjour, tristesse! Hallo, Stadtteilerneuerung! So richtig trostlos wird´s für den Wanderfreund aber erst im Bereich der A 52-Brücke. Abgase, Autolärm und keine Sehenswürdigkeit - nirgends. Schön ist anders. Ganz anders!

Das Einbiegen auf die Pawiker Straße markiert den W 3-Wendepunkt.

 

Und einen humoristischen Höhepunkt: "Warnung vor dem Hund" steht an einem Gartentor. Und darunter (vom Englischen ins Deutsche übertragen): "Vergiss den Hund! Nimm dich vor dem Besitzer in Acht!"

Und vor dem inneren Schweinehund! Auf der Bergmannsglückstraße flüstert er wieder - und gewinnt. Heißt: Die etwa 3 km lange Hassel-Schleife über die Valentinstraße bis zum alten Kraftwerk, vorbei am Friedhof und entlang der nördlichsten Hasseler Bebauung fällt heute aus. Dafür geht´s schnurstracks über die Alternativstrecke W 3 a über die Lüttinghofstraße durch Wiesen und Wald zurück zum alten Adelssitz - und in den tollen Biergarten.

Die Karte Auf-GE-macht gibt´s u.a. bei der Agenda 21 (von-Oven-Str. 17) sowie in den Bürgercentern (4,50 E).

06.06.2007   Von Lars-Oliver Christoph