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BP erwartet Raffineriesterben

Deutsche BP erwartet neues Raffineriesterben

Franke: Keine Gewinne bei Rohölverarbeitung /Überkapazitäten im Markt / Kleine Standorte in Gefahr

VON CLAUS-PETER TIEMANN (AP)
 


BOCHUM - Nach Ansicht der deutschen Mineralölindustrie droht ein neues Raffineriesterben -

Der Chef von Aral und BP in Deutschland, Uwe Franke, schätzt die Überkapazität bei der Rohölverarbeitung in Europa auf „ungefähr 20 bis 30 Prozent" in den nächsten zehn bis 20 Jahren. „Es werden Raffinerien schließen müssen", sagte er. Schon jetzt gibt es in Deutschland mehr Verarbeitungskapazität als Nachfrage: 2008 konnten in den 14 Inlandsraffinerien maximal rund 118 Millionen Tonnen Rohöl zu Benzin, Diesel und anderen Produkten verarbeitet werden. Die Nachfrage betrug aber nur 109 Millionen Tonnen, wie aus Zahlen des Branchenverbandes MWV hervorgeht.

Und es wird noch weniger: Bis 2015 erwartet der Verband einen Rückgang des Ölverbrauchs auf 97 Millionen Tonnen. Die Automotoren werden sparsamer,Bio-Sprit bedrängt Diesel und Benzin, Ölheizungen werden auf Gas oder Holzpellets umgestellt - viele Gründe sprechen für einen Rückgang.

Deutschland erlebt diesen Einbruch nicht zum ersten Mal. Im Jahr 1979 betrug der Verbrauch noch 149 Millionen Tonnen 01, die Verarbeitungskapazität 180 Millionen Tonnen. Viele Raffinerien mussten seitdem schließen, etwa in Völklingen, Emden, Burg oder Speyer.

In Gefahr sind vor allem kleinere Anlagen mit weniger als fünf Millionen Tonnen Jahreskapazität. Größere Anlagen gelten als kostengünstiger im Betrieb. Der größte deutsche Raffineriebetreiber Shell sucht derzeit nach einem Käufer für die zwei kleinen seiner fünf deutschen Standorte, in Heide/Holstein und Hamburg. „Raffinerien sind rentabler, je größer sie sind", sagte Karin Retzlaff vom Öl-Verband MWV.

Auch weltweit kommen die deutschen Raffinerien unter Druck. Laut MWV sind in kurzer Zeit weltweit Werke mit fast 60 Millionen Tonnen zusätzlicher Kapazität in Betrieb gegangen. Diese Menge drückt mitten in der Wirtschaftskrise auf den Weltmarkt. Vor allem der Export in die USA ist praktisch zusammengebrochen.

So rechnet auch die BP mit Verlusten bei der Verarbeitung: „Wir schreiben bei den Raffinerien keine Gewinne in diesem Jahr, eher leicht rote Zahlen", sagte Franke.



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