gruen für 3 - Bi Scholver Feld

Jobs auf dem Prüfstand

 

ANMERKUNG des WEB-Masters: Kein Kommentar im Zusammenhang mit der Norderweiterung


Ruhr Oel: Bei Mitarbeitern geht die Angst um

21.05.2008, Von Michael Muscheid
Studie: 475 Jobs stehen auf dem Prüfstand

200 bis 275 Arbeitsplätze können bei Ruhr Oel abgebaut und weitere 150 bis 200 verlagert werden. Das ist im Kern das Ergebnis einer internen Studie, die am Donnerstag kommender Woche der Belegschaft vorgestellt werden soll. Nach WAZ-Informationen will Ruhr Oel - ein Unternehmen von Deutsche BP und der staatlichen Ölgesellschaft von Venezuela PDVSA - Potenziale ausschöpfen, um seine Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Hintergrund sind die jüngsten dramatischen Entwicklungen auf den Rohölmärkten.

Details aus dem internen Bericht sind noch nicht bekannt, auch noch keine Angaben darüber, welche Maßnahmen am Raffinerie-Standort Horst und welche in Scholven umgesetzt werden könnten. Weder Unternehmensspitze noch Betriebsrat wollten gestern auf Anfrage Stellung beziehen. Sie verweisen auf den 29. Mai; dann findet eine Informationsveranstaltung für die Belegschaft statt.

Die IG Bergbau, Chemie, Energie erwartet nun Einschnitte in Gelsenkirchen und konkret Einsparungen "auch im personellen Bereich". Wie diese aussehen werden, sei aber noch völlig offen, so der örtliche IGBCE-Chef Peter Obramski gegenüber der WAZ. Zunächst müsse abgewartet werden, welche Details BP in der kommenden Woche bekannt gibt, anschließend will die Gewerkschaft eigene Vorschläge erarbeiten. Fakt, so Obramski, sei aber auch: "Der Standort Gelsenkirchen ist sicher."

In der Belegschaft geht dennoch die Angst um. Ihre Hoffnung richtet sich nun darauf, dass Ruhr Oel die Vorschläge überarbeitet und nur wenige Arbeitsplätze abgebaut werden. Und doch: Die Gewerkschaft, so ist zu hören, richtet sich bereits auf Verhandlungen auch über Sozialpläne ein.



Acht Tage später

BP: Befürchtungen bestätigt. Ein Viertel aller Arbeitsplätze steht auf der Kippe. Unternehmen will Kostenstruktur verbessern

Vor einer Woche war die Nachricht vom drohenden Stellenabbau bei BP durchgesickert, seither ging in den Raffinerien Scholven und Horst die Angst um. Gestern ließ die Unternehmensspitze bei einer Mitarbeiter-Versammlung die Katze aus dem Sack: Um die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern, soll das Ergebnis in den kommenden fünf Jahren um 40 bis 60 Mio Euro gesteigert werden. Heißt auch: Ein Viertel der gut 2000 Arbeitsplätze steht auf der Kippe. Die Befürchtungen der Belegschaft sind also eingetroffen.

Allein: Entschieden ist nichts. Nun werde eine Projektphase eingeläutet, um Ruhr Oel - ein Gemeinschaftsunternehmen von BP und der staatlichen Ölgesellschaft von Venezuela PDVSA - auf stabilere Beine zu stellen, so Gelsenkirchens BP-Chef Karl-Heinz Philippi. Bis September soll ein Maßnahmenpaket geschnürt werden. Er sei "zuversichtlich", "dass wir nicht zu betriebsbedingten Kündigungen gezwungen sein werden".

Betriebsratschef Wolfgang Petrikowski reicht diese Ankündigung nicht. Er ist nach der Versammlung, die von Scholven aus auch nach Horst übertragen wurde, "in großer Sorge" über die "möglichen Maßnahmen zum Stellenab-bau". Er fordert vom Management "von Anfang an" einen "Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen". Diese Zusage erhielt er nicht.

Seit August, so kam gestern heraus, hatten die BP-Verantwortlichen an ihrem "Optimierungsprogramm" - Name: "Cap Verde" - gearbeitet. Aufgrund sinkender Öl-Margen, so Philippi, schmelzen die Gewinne künftig vor Ort schneller als in anderen Raffinerien, an denen Ruhr Oel beteiligt ist; das zeige eine Studie. Deshalb müsse die Kostenstruktur verbessert werden - und zwar jetzt in guten Zeiten: "Es ist immer besser, dann zu handeln, wenn es einem Unternehmen gut geht, und nicht erst, wenn es in einer Krise steckt."

Im Kern, so die Ergebnisse des Projekts, das nach der halbwüstenähnlichen Insel-Gruppe im Atlantik benannt wurde, sollen Sachkosten in Höhe von zehn bis 15 Mio Euro reduziert, Prozesse in einer Größenordnung von 15 bis 20 Mio Euro optimiert und Personalkosten in Höhe von 15 bis 25 Mio Euro gesenkt werden. Was letztere angeht, so "Cap Verde", könnten 200 bis 275 Jobs abgebaut und 150 bis 200 verlagert werden. Klar sei schon jetzt: "Es wird in allen Abteilungen Veränderungen geben", so Clemens Niermann von der Geschäftsführung.

Der Betriebsrat, sagt Vorsitzender Petrikowski, wird nun in Verhandlungen über einen Interessenausgleich eintreten und die Vorschläge "auf Herz und Nieren prüfen". Erklärtes Ziel: Beim Schnüren des Gesamt-Pakets "möglichst viele Arbeitsplätze am Standort Gelsenkirchen zu sichern". Dabei erwartet Petrikowski von den Managern auch die Bereitschaft, mit dem Betriebsrat "intelligente Lösungen" zu finden - etwa um die Ausgliederung von Arbeitsplätzen zu verhindern.

ANM:  Bemerkenswert ist dem Zusammenhang die Tatsache, dass die Mitarbeiter von BP  für eine Unterschriftenliste animiert wurden, die sich für die Norderweiterung des Werks und für den Erhalt bzw. Schaffung der Arbeitsplätze einsetzte. Die Unterschriftenliste wurde seinerzeit mediengerecht vorgelegt. - Anscheinend hat die treibende Gewerkschaft hier eine Entwicklung offensichtlich "verpasst", welche die BI bereits angekündigt hatte .